Neue Ansätze für das Bezahlen redaktioneller Beiträge

Amerikanische Dollarnoten stehen als Bündel auf einem Tisch
SofiLaila @ pixabay (CC0 Creative Commons)

Die Paywall und das Digitalabo sind Geschäftsmodelle, die ohne Sinn und Verstand aus der analogen in die digitale Welt gehoben worden sind. Wer aus tausenden Quellen frei wählen kann, verpflichtet sich kaum zu einem einjährigen Abo eines Titels. Und welcher Titel schreibt schon so viel „Premium“, dass seine Leser jedes Mal dafür bezahlen? Deshalb sind diese neuen, voll digital konzipierten Ansätze für das Bezahlen redaktioneller Beiträge so spannend. 

Sehr vielversprechend ist der Ansatz von Refind. Auf dieser Plattform können Inhalte nach Themen und Quellen zusammengestellt werden. Die Filter lassen sich anpassen, damit der Nachrichtenstrom irgendwann nicht mehr kneift, sondern wie ein Maßanzug passt. Interessante Inhalte lassen sich weiterempfehlen oder für die spätere Lektüre zwischenspeichern.

Ja, sowas gibt es schon in Gestalt von Pocket, Paper.li, Flipboard & Co. Die Besonderheit bei Refind sind Coins, mit denen aktive Nutzer entlohnt werden sollen. Sie sollen für Relevanz sorgen.

„The web has fundamentally moved us forward. Most notably, it has given us access to the world’s information and there are currently three main ways we discover an ever-growing amount of content: news, social networks, and search. We believe that a fourth category is missing: relevance—a calm, quiet place where we take a step back to focus on what’s most relevant to us.“

Nachrichten bringen uns Aktualität, soziale Medien informieren uns über unseren Freundeskreis, die Suche im Internet hilft bei speziellen Fragen. Neue und relevante Themen haben dabei kaum eine Chance, wahrgenommen zu werden. Mehr Quellen sind auch keine Lösung, erhöhen sie doch nur das Grundrauschen.

More signal, less noise

Auf der anderen Seite gehen immer mehr Quellen an den Start, um mit immer mehr und immer lauteren Inhalten entdeckt zu werden. Irgendwann brüllen uns alle Seiten an, doch wir können nichts mehr verstehen. Dieses Problem will Refind mit einer Kombination aus technischer und menschlicher Intelligenz lösen. Dafür muss jedoch ein entsprechendes Grundrauschen erzeugt werden. An dieser Stelle kommen die Coins ins Spiel.

„We’re on an important mission: creating a new category—relevance—to let you discover, save, and read what’s worth your attention. To achieve this, we need millions of users and links on each and every topic, so we’re trying something new: the world’s first token-based referral marketing and buyback program.“

Damit Refind schnell Fahrt aufnehmen kann, müssen gleich zu Beginn viele Nutzer viel mitmachen. Dafür werden sie mit einigen von insgesamt 1 Milliarde Coins belohnt. Macht Refind irgendwann Gewinn, dann werden diese Coins sukzessive zurückgekauft und gelöscht. Damit nimmt die Zahl der verfügbaren Coins immer weiter ab, deren Wert steigt.


Einen anderen vielversprechenden Weg geht Medium.com. Diese Plattform dient vor allem professionellen Bloggern als Sprachrohr. Vergleichbar mit Refind lassen sich die Nachrichtenströme stärker auf- oder zudrehen. Es werden ebenfalls neue Themenbereiche empfohlen, denen man mit nur einem Klick folgen kann.

Als Mitglied erhält ein Nutzer für 5 US-Dollar im Monat exklusiven Zugang zu Inhalten von Experten. Außerdem wird ein Teil des Geldes an die Autoren ausgeschüttet, die ihre Inhalte nur den zahlenden Lesern anbieten. Sind die Leser aktiver, lesen länger und drücken für gute Inhalte auf den „Applaus“-Knopf, dann gibt es sogar etwas mehr Geld (Link).

Qualität statt Quantität

Auf diese Weise kann eine Qualitätsspirale gestartet werden. Autoren verfassen qualitativ hochwerte Inhalte und sperren diese selbständig weg. Die  zahlenden Fans agieren mit diesen Inhalten und sorgen auf diese Weise dafür, dass ihre Lieblingsautoren entsprechend entlohnt werden. Selbstverständlich wird in den Richtlinien für Autoren bei Medium.com darauf hingewiesen, dass diese nicht explizit zu Klicks und Claps auffordern dürfen.

Mit der Verteilung der Erlöse nach Qualität der Inhalte und Aktivität der Nutzer sollen zahlreiche Autoren bereits einige hundert US-Dollar verdient haben. Konkreter wird eine Sprecherin von Medium.com. Demnach haben im September 2017, dem ersten vollständigen Monat mit Mitgliedsbeiträgen, 83 Prozent der Autoren mit mindestens einem gesperrten Inhalt auch Geld dafür erhalten. Im Durchschnitt hat jeder Autor 93,65 US-Dollar verdient, das Maximum waren 2.279 US-Dollar. Die beste Geschichte im September brachte rund 1.600 US-Dollar.

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