Gern mehr journalistische Qualität, aber bitte gratis

Ein älteres Paar sitzt auf einer Bank und liest Zeitung
RonPorter @ pixabay (CC0 Creative Commons)

Die Zahlungsbereitschaft für journalistische Angebote wird nicht größer, wenn die Qualität der Medien besser wird. Soweit das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von Edelman.ergo. Ziel war es, mehr über die Zahlungsbereitschaft für Qualitätsjournalismus zu erfahren.

Die Gruppe der Nichtzahler stellt Redaktionen vor eine besonders große Herausforderung. 23 Prozent geben kein Geld für journalistische Angebote aus. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es fast 45 Prozent. Aber in der Umfrage haben sich auch Zahlungswillige geoutet: 26 Prozent aller Befragten und sogar 40 Prozent der 30- bis 39-Jährigen geben üblicherweise bis zu 15 Euro monatlich für journalistische Angebote aus. Dabei wird der Rundfunkbeitrag noch gar nicht mitgerechnet. Immerhin 16 Prozent aller Befragten bezahlen jeden Monat mehr als 46 Euro für journalistische Angebote. Bei den Rentnern (65+) sind es sogar 25 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen nur 4 Prozent.

Höhere Qualität bringt’s nicht wirklich

Soweit die aktuellen Ausgaben für journalistische Inhalte. Doch wie sieht es mit der Zahlungsbereitschaft aus? Gefragt wurde: Wie viel wären Sie bereit, für ein journalistisches Angebot im Monat zu bezahlen, das Sie inhaltlich überzeugt?

Lediglich 5 Prozent würden für ein verbessertes journalistisches Angebot monatlich zwischen 46 und 60 Euro bezahlen, gerade mal 2 Prozent sogar mehr als 61 Euro. Immerhin 29 Prozent aller Befragten würden für ein verbessertes journalistisches Angebot bis zu 15 Euro im Monat ausgeben, 20 Prozent zwischen 16 und 30 Euro. Fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) zeigt keinerlei Zahlungsbereitschaft und will unabhängig von der Qualität journalistischer Inhalte nichts bezahlen.

Ausgewogene Berichterstattung

Für 40 Prozent der Befragten zeichnet sich Qualitätsjournalismus durch eine ausgewogene Berichterstattung aus. 29 Prozent verbinden mit dem Begriff investigative Recherche. Vor allem die Befragten zwischen 18 und 29 Jahren (fast 40 Prozent) und 30 bis 39 Jahren (fast 36 Prozent) erwarten, dass Medien mehr tun, als nur die Mitteilungen von Unternehmen, Behörden und Regierungen zu veröffentlichen. 18 Prozent suchen nach Analysen und Kommentaren. Nur knapp 4 Prozent verbinden mit Qualitätsjournalismus auch eine zeitliche Aktualität. Vor allem in den jüngeren Altersgruppen bis 39 Jahre spielt die Geschwindigkeit eine sehr geringe Rolle.

Ausgereizte Budgets

29 Prozent der Befragten würde mehr bezahlen, wenn die Berichterstattung im Journalismus ausgewogener wäre. 18 Prozent wünschen sich mehr investigative Recherchen. Allerdings ist es 23 Prozent egal, ob sich der Journalismus verbessert oder nicht. Sie würden so oder so nicht mehr Geld dafür ausgeben.

Unterm Strich zeigen die Ergebnisse nach Einschätzung von Susanne Marell, Geschäftsführerin von Edelman.ergo: Die Budgets sind ausgereizt. Egal, was Redaktionen unternehmen, sie werden den Auflagenschwund kaum stoppen können. Kostendeckendes Arbeiten für Verlage und Redaktionen scheint nicht möglich zu sein. Gleichzeitig müssen sie in die Qualität investieren und die Wünsche ihrer Leserschaft berücksichtigen – mit inhaltlichen und innovativen Angeboten. Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass sich der Auflagenschwund eher beschleunigt.

Qualitätsjournalismus ist leider nur „nice to have“, ganz nett, aber nicht relevant genug, um dafür echtes Geld zu zahlen. Der eigentliche Nutzen steckt in Inhalten, die „need to have“ sind, die wirklich benötigt werden. Was das ist und wie das geht, darüber sollten wir einmal ausführlich sprechen.