Die Digitalisierung in ganz Deutschland voranbringen

Fachwerkhaus mit Klinkersteinen, an der wand lehnen große alte Holzräder
MRHeinz @ pixabay (CC0 Lizenz)

Die einen sind auf einem guten Weg, die anderen benötigen Hilfe. In Sachen Digitalisierung haben viele Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland noch Nachhol-Bedarf. Aber auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland in Sachen Digitalisierung noch weit zurück. Das hat die Studie „Smart Country“ der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Wie kann die Digitalisierung im ganzen Land vorangebracht werden?

Neben einer gesamtstaatlichen Strategie werden auch regionale Ansätze benötigt, um die digitalen Unterschiede in Deutschland zu verringern und alle Regionen mitzunehmen.

Die Digitalisierung kann, vor allem in ländlich geprägten Räumen, einen Beitrag dazu leisten, Wirtschaftskraft (weiter) auszubilden und Daseinsvorsorge (wieder) zu ermöglichen. Leistungsfähiges Internet wird damit selbst zu einer wesentlichen Infrastruktur für Daseinsvorsorge.

Es ist jedoch zu kurz gedacht, wenn sich die Digitalisierung allein auf leistungsfähige Breitbandnetze konzentrieren soll. Sie sind jedoch nicht der Ersatz für für regionale Digital-Strategien, sondern deren Voraussetzung. Darüber hinaus müssen die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung, in Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft für räumlich unterschiedliche Strategien sensibilisiert werden. Nach Auffassung der Autoren dieser Studie ist es „höchste Zeit, sich teilräumlich auf die faktischen Handlungsmöglichkeiten in der regionalen Wirtschaftsentwicklung sowie auf die konkreten Handlungserfordernisse in der staatlichen Daseinsvorsorge zu konzentrieren“. Dadurch könnten in Deutschland gleichwertige Lebensverhältnisse für alle gesichert werden.

Digitale Teilung

Noch ist Deutschland digital geteilt. Aber nicht in Ost und West und auch nicht in Stadt und Land. Vielmehr haben sich im Osten, Süden und Westen offenbar drei sehr große und räumlich überwiegend zusammenhängende Cluster gebildet. Nach Einschätzung der Autoren macht die Studie deutlich, dass eine Reihe von Regionen den digitalen Wandel aus eigener Kraft schafft.

Andere Regionen wiederum seien strukturell schwächer entwickelt und benötigen Unterstützung, beispielsweise beim Breitband-Ausbau. Mehr als die Hälfte aller Kreise und kreisfreien Städte besitze eher schlechte Chancen für eine umfassende Digitalisierung. In weiten Teilen Deutschlands fehle der Zugang zu schnellem Internet.

Die Zeit drängt

Deshalb hat die Bertelsmann-Stiftung einen Katalog mit Forderungen für ein digitales Deutschland aufgestellt. Dieser zeige konkret, wo welche Prioritäten zu setzen sind. So seien Know-how und Ressourcen in Deutschland ausreichend vorhanden. „Zu erreichen ist der deutsche Aufholprozess nur bei hoher Geschwindigkeit und konsequenter Umsetzung. Gepaart sein muss die Digitalisierung daher mit mehr Agilität in Staat und Verwaltung, mit Mut und Weitsicht – Bedenkenträgerei muss durch gesunden Pragmatismus ersetzt werden.“

Rechtliche und technische Rahmenbedingungen für eine schnelle und sichere Digitalisierung können nur das Gerüst sein, das den Menschen in diesem Prozess den notwendigen Halt gibt. Schließlich muss vor allem bei den Bürgerinnen und Bürgern ein Prozess des Umdenkens eingeleitet werden:

Nicht Risiken und Ohnmacht sondern Chancen und Gestaltungspotential müssen im Vordergrund stehen. Diese Haltungsänderung gilt es anzusprechen, indem die Lust auf Digitalisierung geweckt und ihre Chancen durch positive Bilder in den Vordergrund gestellt werden.

Die Beschäftigten der öffentlichen Verwaltung, aber auch in den Unternehmen und Betrieben, müssen lebenslang lernen und digitale Kompetenzen erwerben. Der Digitalchef.de gibt einfühlsame Nachhilfe und macht Lust auf Digitalisierung. Interesse?

Die Studie als PDF: Smart Country regional gedacht – teilräumliche Analysen für digitale Strategien in Deutschland