Kann der Wuppertal-Effekt wirklich nachhaltig sein?

Lebhafte Einkaufsstraße
moerschy @ pixabay (CC0 Public Domain)

Es klingt wie eine heile Handelswelt. Das Showrooming, wenn sich Kunden im Laden informieren und danach online einkaufen, wird abgelöst vom Webrooming beziehungsweise dem ROPO-Effekt, wenn ein Produkt im Internet recherchiert (research online) und anschließend lokal im Laden gekauft  (purchase offline) wird. Eingängiger als diese englischen Fachbegriffe ist „der Wuppertal-Effekt“. In dieser Stadt wurden Händler online aktiv und steigerten offline ihre Umsätze. Doch kann diese Wende im Verhalten der Kunden wirklich nachhaltig sein?

Viel Wuppertal, aber auch Bedburg oder Günzburg. Und immer wieder Atalanda. Letzteres ist kein Ort in den USA, sondern ein Softwarehaus. Atalanda verkauft Ortschaften in Deutschland und der Schweiz eine Internetpräsenz, in der die örtlichen Einzelhändler ihre Produkte und Dienstleistungen anbieten können.

Besonders euphorisch wird die Online-City Wuppertal gefeiert. Dort sind derzeit rund 60 Einzelhändler aktiv, die zusammen mehr als 850.000 Produkte anbieten. Diese können direkt online bestellt und geliefert werden. Oder der Kunde holt sich sein Produkt vor Ort beim Händler ab. Offenbar spüren die Händler in Wuppertal bereits erste Erfolge (internetworld.de, 28.1.2015), weshalb diese Kombination aus stationärem Handel und Onlinehandel von den Beteiligten auch schon mal „Wuppertal-Effekt“ genannt wird.

Was spricht dafür?

  • Eine einfache, einheitliche Shop-Plattform für den lokalen Handel
  • Digitale Präsentation regionaler Produkte
  • Attraktiv für Lokalpatrioten

Was spricht dagegen?

  • Keine Garantie für den günstigsten Preis
  • Händler betreiben in der Regel weiter eine eigene Internetpräsenz

Wer auf das Geld achten muss, wird weiterhin einen Preisvergleich im Internet nutzen und das gesuchte Produkt beim günstigsten Anbieter digital bestellen. Wer es sich leisten kann, findet auf dem lokalen Marktplatzen eine Vielfalt regionaler Produkte örtlicher Händler.

Für einen wirtschaftlichen Erfolg müssen jedoch viele Händler mitmachen und viele Produkte anbieten. Diese müssen in einem Warenwirtschaftssystem erfasst und dieses ständig aktuell gehalten werden – auch bei einem Verkauf im Laden.

Wenn viele Produkte unterschiedlicher Art aktuell angeboten werden, dann kommen auch viele Nutzer auf die Seite – wenn sie überhaupt von der Seite erfahren. Ein größeres Marketingbudget sollte unbedingt eingeplant werden. Dann könnten auch die Händler davon überzeugt werden, ihre Warenwirtschaft quasi komplett und dauerhaft an die Plattform auszulagern.

Eine lokale Internetplattform allein wird den Einzelhandel mittelfristig nicht retten. Für die Konzeption eines regionalen Marktplatzes müssen wesentlich mehr Faktoren hinzugezogen werden.